Feierabendbier mit Usha-Moni Naskar und Sylvia Straub

Begegnung Diskurs

Generationsübergreifende Gemeinsamkeiten

Im August 2022 begegneten sich die Dortmunder Landschaftsarchitektin Usha-Moni Naskar und die Bühnen- und Kostümbildnerin und Modedesignerin Sylvia Straub beim Feierabendbier – dem letzten Austausch vor dem FAVORITEN Festival.

Sylvia hat in Dortmund studiert, lebt in Bochum und ist seit 2019 Mutter. Usha-Monis Kinder sind schon einige Jahre älter. Was verbindet und unterscheidet die Erfahrungen der Mutterschaft in den verschiedenen Generationen? 

Schnell fanden die beiden Gesprächspartnerinnen, die sich auf Anhieb gut verstanden, mehr Verbindendes als Unterschiede heraus: So ist es in künstlerisch-kreativen Berufen für Mütter auch heute noch nicht optimal möglich, die Betreuungssituation für Kinder der eigenen Lebens- und Berufsrealität anzupassen. Denn der Großteil der Betreuungsangebote orientiert sich noch immer an klassischen Nine-to-five-Jobs. Aber wie organisiert eine Bühnen- und Kostümbildnerin wie Sylvia Straub die Kinderbetreuung, wenn sie zur Abendprobe ins Theater muss? Der Appell von Straub und Naskar an Politik und Gesellschaft ist klar zu vernehmen: Betreuungsangebote müssen an die Lebenswirklichkeit von Müttern angepasst werden!

Berührende Momente

Beide Frauen eint auch die Erfahrung, dass die Mutterschaft ein Phänomen ist, dass die Gesellschaft ungefragt zu Meinungsäußerungen anregt. Fragen wie „Du gehst schon wieder arbeiten?“ kennen viele Mütter. Naskar und Straub berichten eindrucksvoll von der Zwickmühle, in der berufstätige Mütter stecken: Gehe ich arbeiten und „vernachlässige“ mein Kind oder bleibe ich beim Kind und „vernachlässige“ meine Arbeit? Hier besteht offensichtlich großer gesellschaftlicher Handlungsbedarf.

Berührend auch die Momente, in denen die zwei Frauen beschreiben, wie die Mutterschaft Erinnerungen an die eigene Kindheit aufploppen ließ. Und wie man Gefahr läuft, negative Muster aus der eigenen Familiengeschichte zu wiederholen – und diese Gefahr bannen kann.

Anregender Austausch

Einen positiven Umstand, der früheren Mütter-Generationen noch nicht zur Verfügung stand, führt Sylvia Straub an: Social Media hat ihr persönlich viel Support gebracht und der Vereinsamung entgegengewirkt, die das Mama-Sein manchmal mit sich bringt. Sylvia plant, sich mit einem Upcycling-Label selbstständig zu machen und hat dafür, besonders über Instagram, viel Zuspruch erhalten.

Ein anregender Austausch zweier spannender Persönlichkeiten.

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Die Reihe „Feierabendbier“ wird von .dott in Kooperation mit dem FAVORITEN Festival im Rahmen des Formats „FAVORITEN verlernen“ realisiert. In gemeinsamen Gesprächen, Workshops und Begegnungen vor und während des Festivals im September dieses Jahres wird es immer wieder um Formen des Verlernens gehen. Was haben wir als vermeintliche Normalitäten gelernt und verinnerlicht? Was wollen wir von wem (ver)lernen, und was kann das eigentlich bedeuten: (ver)lernen?

Gefördert vom Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes NRW im Rahmen des Programms #heimatruhr und dem Kulturbüro Dortmund.