Bloody Bitches

Film Videokunst

Making-of zu einem Recherche- und Filmprojekt, das uns das Gruseln lehrt …

Was ist typisch Frau? In Märchen, Mythen und im Volksglauben gibt es sie: die guten Feen, die bösen Hexen und die arglistigen Stiefmütter. Und heute? „Es ist beängstigend, welche Stereotypen von Frauen auch in modernen Produktionen und vor allem in aktuellen Diskursen auftauchen“, sagt Birgit Götz, Tänzerin, Choreografin und Mitinitiatorin des Projekts „Bloody Bitches“. Gemeinsam mit sechs weiteren Frauen hat sie im Februar 2022 im .dott.werk Recherche-Ergebnisse analysiert und mit Darstellungsformen experimentiert, die sich mit der Rolle der Frau im Zusammenhang mit Verschwörungstheorien auseinandersetzen. 

Feminismus als Feindbild

Tänzerin und Schauspielerin Pia Alena Wagner meint: „Feminismus als Bewegung ist zwar inzwischen in der Mehrheitsgesellschaft akzeptiert, doch mit der steigenden Akzeptanz geht auch eine Radikalisierung antifeministischer Tendenzen einher.“ Viele wissenschaftliche Untersuchungen bestätigen: Der Feminismus als Feindbild rückt zunehmend aus der extremistischen Ecke – in unseren Alltag. Doch was steckt hinter dem Boom der Verschwörungstheorien? Und warum ist es ein überwiegend männliches Phänomen? Warum rücken zunehmend Frauen ins Visier der Verschwörungsgläubigen? Hedwig Richter, Professorin für Neuere und Neueste Geschichte aus München, liefert dazu eine Erklärung. Die Welt erscheine unwahrscheinlich kompliziert, komplizierte Dinge, die passieren, würden dann schnell in tradierte Erklärungsmuster eingeordnet. Aha! Frauen sind kompliziert. Oder ist Feminismus einfach zu kompliziert?

Vom Konkreten zum Abstrakten

Anna Lena Klapdor, Autorin, betont: „Wir wollen Schwurblern nicht ungewollt Raum geben, aber in unseren Diskussionen und im Zusammenspiel formte sich eine Dystopie: Der Horror, eine Frau zu sein.“ Und der kann sich in unterschiedlichster Weise zeigen: in zu hohen Schuhen, zwickenden BHs, im Wunsch, immer für alle da sein zu müssen, in nicht erfüllten Erwartungen, in unverschämten Zumutungen oder ständiger Unterschätzung. So haben sich die Frauen von konkreten Beispielen („Wir haben uns Splatter-Filme angeschaut, um herauszufinden, welche Rollen dort Frauen spielen …“) zu abstrakten Darstellungen durchgearbeitet. Cordula Hein, Schauspielerin: „Wir klagen nicht an, wir jammern nicht, wir prangern nicht an.“ Das Horrorgenre ist kulturgeschichtlich als ästhetischer Schutzraum lange etabliert. Beim Schauen eines Gruselfilms oder beim Lesen eines Schauerromans durchleben wir Angst und Abscheu – und eine seltsame Angstlust. Anders als bei realen traumatischen Erfahrungen können wir den Fernseher ausmachen und das Buch zuklappen, und vor allem die Lust auf das nächste Horrorabenteuer selbst steuern.  

Sandra Wickenburg, Schauspielerin, bringt es auf den Punkt: „Wir sind auf der Suche nach einer Form, sich beängstigenden Fragen zu stellen, die unsere ästhetischen Ansprüche erfüllt und die Zuschauenden fesselt.“ Das ist gelungen! 

Das Kollektiv:

  • Swentja Krumscheidt (Regie)
  • Anna Lena Klapdor (Autorin) 
  • Birgit Götz (sparten­übergrei­fender Tanz) 
  • Pia Alena Wagner (Physical Theatre) 
  • Cordula Hein (Schauspiel)
  • Sandra Wickenburg (Schauspiel)
  • Kathlina Reinhardt (visual arts)

Ein Projekt des experimentier.­Labor von .dott – Dortmunder Tanz- und Theaterszene gefördert vom Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes NRW im Rahmen des Programms #heimatruhr und dem Kulturbüro Dortmund.